Bitterstoffe im Tee
Bitterstoffe erleben ein Comeback – und Tee spielt dabei eine überraschend große Rolle.
Obwohl wir Bitteres oft meiden, können diese Pflanzenstoffe Verdauung, Stoffwechsel und Wohlbefinden unterstützen. Warum Bitterstoffe im Tee so wertvoll sind und wie sie unseren Alltag bereichern, erfahren Sie hier.
Inhalt
Was sind Bitterstoffe und warum sind Sie für unseren Körper wichtig?
Menschen empfinden Bitterstoffe als unangenehm, denn im Laufe der Evolution hat der Mensch gelernt, dass alles, was bitter schmeckt, giftig sein könnte. So wurden Bitterstoffe im Laufe von Jahrhunderten aus vielen Lebensmitteln herausgezüchtet, zugunsten eines milderen, süßeren Geschmacks. Viele dieser Bitterstoffe sind jedoch für unseren Körper sehr wichtig, insbesondere für Verdauung und Leber.
Unsere Großeltern behalfen sich mit hochprozentigem Kräuter- oder Magenbitter, um sich bei Völlegefühl und Verdauungsschwierigkeiten Erleichterung zu verschaffen. Im Zuge der seit Jahren anhaltenden Ernährungsdiskussionen und neuen Erkenntnissen hat sich inzwischen ein neues Bewusstsein entwickelt. So erlebt das Thema Bitterstoffe seit ein paar Jahren einen wahren Boom, in Form von Bittertropfen und -kapseln, die man als Nahrungsergänzung zu sich nehmen kann.
Während also heute immer mehr Menschen zu bitteren Tropfen greifen, gibt es dafür auch eine ganz einfache Alternative, die Teegenießer schon immer im Küchenschrank hatten: Tee. Denn das Teeblatt enthält von Natur aus Bitterstoffe und auch in Kräutertees sind Bitterstoffe enthalten. So lässt sich beim entspannten Genuss von Tee nebenbei und ohne Zusatzkosten der Körper mit Bitterstoffen versorgen. Ganz ohne Tropfen.
Um zu verstehen, wie man mit Bitterstoffen täglich etwas Gutes für den Magen tun kann, ist es wichtig, ihre Eigenschaften und Wirkung zu kennen. Dann können sie im Tee ganz natürlich in den Alltag integriert werden.
Warum sollten wir Bittertee trinken?
Bitterstoffe sind von Natur aus in Pflanzen enthalten und verleihen als sekundäre Pflanzenstoffe Tee, Kräutern und Gemüse ihren typisch bitteren Geschmack. Sie können Pflanzen, genauso wie unseren Körper, vor schädlichen Krankheitserregern schützen. Bitterstoffe regen die Geschmacksknospen an, fördern den Speichelfluss und bereiten die Verdauung optimal vor. Sie können die Produktion von Magensaft steigern, Leber und Galle bei der Fettverdauung unterstützen und die Darmtätigkeit anregen. Besonders wohltuend können sie insbesondere nach deftigen, fettigen Speisen sein, einem Völlegefühl vorbeugen oder Sodbrennen lindern. Einige Bitterstoffe können zudem dafür sorgen, dass der Insulinspiegel langsamer abfällt und so das Sättigungsgefühl beeinflussen. Das zügelt den Appetit und reduziert Heißhunger. Häufig werden Bitterstoffe deshalb auch in Verbindung mit dem Thema Abnehmen erwähnt.
Zusammengefasst hier ein Überblick über mögliche Effekte von Bitterstoffen:
- Steigern die Magensaftproduktion
- Unterstützen die Fettverdauung in Leber und Galle
- Regen die Darmtätigkeit an
- Beugen Völlegefühl vor
- Lindern Sodbrennen
- Verleihen ein längeres Sättigungsgefühl durch langsameren Abfall des Insulinspiegels
- Zügeln Appetit und reduzieren Heißhunger
Bitterstoffe im Trend - Tropfen oder lieber Tee?
Bitterstoffe erleben ein echtes Comeback. Weniger als Gemüse mit bitterem Geschmack, vielmehr in Form von Tropfen oder Kapseln. Doch wie viel einfacher ist es, täglich etwas Gemüse mit leicht bitterer Note zu verzehren oder Tee zu trinken, als Tropfen einzunehmen? Die Vielfalt an natürlich Essbarem mit Bitterstoffen ist groß: Gemüse, Kräuter, Rinden, Wurzeln, verschiedenen Obstsorten - und vor allem Tee.
Welche Teesorten enthalten Bitterstoffe?
Viele Bitterkräuter sind ein essenzieller Bestandteil von Teemischungen und bringen nicht nur herben Geschmack, sondern auch eine wohltuende Wirkung mit sich. Je nach Erntezeitpunkt, Sonneneinstrahlung oder Alter des Teeblattes sind die enthaltenen Bitterstoffe unterschiedlich stark ausgeprägt. Hauptverantwortlich für die Bitterkeit im Tee sind Katechine und Gerbstoffe (Tannine). Jüngere Teeblätter enthalten mehr Bitterstoffe als ältere, Tees aus Schattenanbau, wie z. B. Gyokuro, wandeln wegen des fehlenden Sonnenlichts weniger Aminosäuren in Katechine um. Darum schmeckt dieser Tee süßer. Die Weiterverarbeitung nach der Ernte spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Bitterkeit. Auch die Länge der Ziehzeit des Tees beeinflusst den bitteren Geschmack, denn je länger ein Tee zieht, desto mehr lösen sich die Bitterstoffe im Wasser.
Grüner Tee: Da er nicht fermentiert und nach der Ernte kurz und stark erhitzt wird, bleiben die natürlichen Katechine erhalten. Diese Verbindungen sind in hoher Konzentration (30 – 40 Prozent) im trockenen grünen Tee enthalten und verleihen ihm seinen typischen, leicht bitteren Geschmack. Die Katechine können den Stoffwechsel anregen und die Verdauung unterstützen. Damit Grüner Tee weniger bitter schmeckt, empfiehlt sich eine Brühtemperatur zwischen 75° und 80 °C.
Schwarzer Tee: Bei der Fermentation werden die Katechine im Tee weitgehend umgewandelt in andere Gerbstoffe. Sie färben den Tee und verursachen ein zusammenziehendes, adstringierendes Gefühl im Mund. Schwarzer Tee ist daher im Allgemeinen weniger bitter als grüner Tee.
Oolong-Tee: Bei dieser teilfermentierten Spezialität hängt es vom Grad der Fermentation ab, wie viele Bitterstoffe enthalten sind.
Weißer Tee: Die besondere Verarbeitung beeinflusst den Grad der Bitterkeit. So welken die Teeblätter langsam und behutsam, ohne mechanische Einflüsse, wie man diese von der Verarbeitung zu Schwarzem Tee kennt. Auch wird Weißer Tee nicht wie Grüner Tee erhitzt. Dadurch bleibt die natürliche Süße der jungen, ungeöffneten Knospen erhalten.
Welche Kräuter, Wurzeln und andere Pflanzenbestandteile enthalten Bitterstoffe?
Wer Bitterstoffe bewusst in seinen Alltag integrieren möchte, dem stehen neben den klassischen Schwarzen und Grünen Tees viele weitere Schätze aus der Natur offen. Viele Bitterkräuter sind ein essenzieller Bestandteil von Teemischungen und bringen nicht nur den herben Geschmack, sondern können außerdem wohltuend wirken. Sie nach dem Essen zu genießen kann also ein wirkliches Geschenk für den Körper sein.
Typische Pflanzen oder Kräuter mit Bitterstoffen sind:
- Anis
- Baldrian
- Brennnessel
- Enzian
- Fenchel
- Kamille
- Kardamom
- Kümmel
- Ingwer
- Lavendel
- Löwenzahn
- Salbei
- Kurkuma
- Mate
- Schafgarbe
- Wermut
So werden Bitterstoffe im Alltag zum Genuss
Bitterstoffe müssen nicht streng schmecken oder sich wie Medizin anfühlen. Im Gegenteil: Sie lassen sich ganz leicht in das tägliche Leben integrieren. Ein gutes Beispiel ist eine Tasse Tee nach dem Essen. So kann die Verdauung unterstützt und einem Druckgefühl im Magen vorgebeugt werden. Alles, während man sich gleichzeitig einen Moment der Ruhe gönnt.
Auch am Abend können Bitterstoffe eine wohltuende Begleitung sein. Anstelle von Snacks oder Süßem kann man einfach einen Kräutertee genießen, um den Durst zu stillen, die Geschmacksnerven zu beruhigen und das Gefühl von Hunger sanft abzufangen. Wer regelmäßig Bitterstoffe zu sich nimmt wird wahrscheinlich schon nach kurzer Zeit bemerken, dass sich ein Gewöhnungseffekt einstellt, der zu einem wohltuenden Ritual wird.
Wie Bitterstoffe aus unserer Ernährung verschwunden sind
Früher waren Bitterstoffe in unserer Nahrung ganz selbstverständlich: Viele Obst- und Gemüsesorten wie Grapefruit, Bitterorange, Radicchio, Rosenkohl oder Chicorée waren früher für ihren herben Geschmack bekannt, aber sind heute dank jahrzehntelanger Züchtung milder und kaum bitter.
Das findet bei Verbrauchern Gefallen, das typische Geschmacksprofil ist jedoch mit diesen Züchtungen verloren gegangen. Besonders gut lassen sich bittere Lebensmittel mit süß-säuerlichen Zutaten kombinieren. Beispielsweise Tomaten, die die herben Noten ausgleichen.